Welche Arten der Fassadenbegrünung gibt es?
Als Fassadenbegrünung bezeichnet man das Bepflanzen von Gebäudewänden mit Kletterpflanzen, Rankgewächsen oder speziellen vertikalen Pflanzensystemen.
Grundsätzlich unterscheidet man die Fassadenbegrünung in zwei Hauptarten: bodengebundene Begrünung und wandgebundene Begrünung. Diese unterscheiden sich in der Art der Pflanzen, der Konstruktion und der Pflege.
1. Bodengebundene Fassadenbegrünung
Bei der bodengebundenen Fassadenbegrünung wachsen Pflanzen direkt aus dem Boden und klettern an der Fassade hoch.
Selbstklimmende Pflanzen
Besonders geeignet für eine bodengebundene Fassadenbegrünung sind sogenannte Selbstklimmer. Selbstklimmer sind Kletterpflanzen, die ohne Rankhilfen direkt an Wänden oder Fassaden haften können. Sie besitzen spezielle Haftorgane, mit denen sie sich an Oberflächen festhalten. Dadurch benötigen sie keine zusätzlichen Klettergerüste oder Spaliere. Bekannte Vertreter der Selbstklimmer ist der Efeu sowie die Kletterhortensie.
Kletterpflanzen mit Rankhilfe
Eine weitere Art der Fassadenbegrünung sind Gerüstkletterpflanzen. Basis hierfür ist die Anbringung von Rankhilfen für Kletterpflanzen. Entlang der Fassade werden Drahtseile, Rankgitter oder Kletterstützen befestigt, an denen sich Pflanzen festhalten und wachsen können.
Unser Tipp 🌿
Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzen darauf, dass Sonneneinstrahlung, Möglichkeiten der Bewässerung und Klima zu den Bedürfnissen der Pflanzen passen. Hier ist auch Geduld gefragt, denn es kann einige Jahre dauern, bis Kletterpflanzen eine ganze Fassade eingenommen haben.
2. Wandgebundene Fassadenbegrünung
Bei der wangebundenen Fassadenbegrünung wachsen Pflanzen in Modulen, Pflanzkästen oder vertikalen Systemen direkt an der Wand.
Modulbegrünung mit Pflanzkästen oder -taschen
Die Modulbegrünung ist eine spezielle Form der wandgebundenen Fassadenbegrünung, bei der vorgefertigte Pflanzmodule direkt an der Gebäudewand befestigt werden. Diese Module bestehen aus Pflanzkästen, -matten oder -taschen, die mit Erde oder einem speziellen Substrat gefüllt sind. Die Pflanzen wachsen somit nicht im Boden, sondern direkt in den Modulen an der Wand.
Dieses Begrünungssystem ist sehr flexibel, da an der Fassade beliebig viele Pflanztaschen oder -behälter befestigt werden können. Auch die Pflege und der Austausch der Pflanzen ist zu jeder Zeit möglich.
Unser Tipp 🌿
Wenn Sie im Begrünungssystem auch eine Bewässerung integrieren, eignen sich diese Pflanztaschen auch gut für schwer zugängliche Gebäudeteile oder größere Flächen.
Neben der gängigen Modulbegrünung gibt es auch noch weitere Möglichkeiten der wandgebundenen Fassadenbegrünung, wie zum Beispiel die Installation von Systemen mit erdlosen Pflanzen oder Mooswänden.
Welche Vorteile bietet die Fassadenbegrünung?
Eine Fassadenbegrünung bietet zahlreiche Vorteile für Umwelt, Gebäude und Menschen. Hier sind die wichtigsten:
Umweltaspekte
Die Pflanzen einer Fassadenbegrünung tun, was alle Pflanzen tun: Sie absorbieren CO2 aus der Luft. Je mehr Fassadenfläche begrünt wird, desto stärker sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen, was gleichzeitig den CO₂-Fußabdruck verringert.
Außerdem filtern die Pflanzen Schadstoffe und Schmutzpartikel aus der Luft und verbessern so die Atemluft. Dazu trägt auch bei, dass die Pflanzen an heißen Tagen die Sonnenstrahlung absorbieren. Eine Betonwand würde die Wärme speichern, sich aufheizen und die Umgebung zusätzlich erwärmen. Die Pflanzen verdunsten bei Hitze Feuchtigkeit und ein natürlicher Kühlungseffekt tritt ein.
✅ Verbesserung der Luftqualität: Pflanzen filtern Feinstaub, CO₂ und Schadstoffe aus der Luft.
✅ Kühlung & Klimaregulierung: Begrünte Fassaden senken die Umgebungstemperatur und reduzieren den „Hitzeinsel-Effekt“ in Städten.
✅ Schutz der Biodiversität: Gründe Wände bieten Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere.
✅ Regenwasserrückhalt: Pflanzen speichern Wasser und entlasten die Kanalisation.
Energieeffizienz & Vorteile für das Gebäude
Die grüne Fassade fungiert auch als Dämmung. Neben der Kühlung durch Verdunstung verhindert die grüne Schicht die direkte Sonneneinstrahlung auf das Gebäude. Wie ein natürlicher Sonnenschutz trägt sie so dazu bei, dass sich auch im Inneren des Gebäudes die Temperatur nicht so stark erhöht. Das kann den Einsatz von Klimaanlagen verringern, was schließlich zu sinkendem Energieverbrauch führt.
Im Winter ist der Effekt umgekehrt, aber nicht weniger praktisch. Die Pflanzen und ihr Substrat sind eine Isolierschicht, die den Wärmeverlust bei Kälte nach außen verringern. Auch das macht das Gebäude energieeffizienter und kann zu einer Reduzierung des Heizbedarfs und damit den Heizkosten führen.
✅ Wärme- & Kälteschutz: Im Sommer kühlt die Begrünung, im Winter isoliert sie.
✅ Schutz der Bausubstanz: Pflanzen schützen die Fassade vor Witterungseinflüssen wie Regen, UV-Strahlung und Frost.
✅ Schallschutz: Grüne Wände dämpfen Lärm von Straßen und Industrie.
Wirkung auf Mitarbeiter und Bewohner
Grüne Fassaden tragen dazu bei, dass das Arbeitsumfeld von Mitarbeitenden insgesamt positiver bewertet wird. Das liegt daran, dass eine grüne und lebendige Fassade angenehm und beruhigend wirkt, denn der Kontakt zur Natur steigert das Wohlbefinden.
✅ Ästhetik & Wohlbefinden: Grüne Fassaden sehen schön aus und schaffen eine angenehmere Atmosphäre.
✅ Erholung & Stressabbau: Pflanzen haben nachweislich eine beruhigende Wirkung.
✅ Schallschutz: Begrünte Fassaden dämpfen lästigen Lärm.
Wirkung auf die Stadt
✅ Bessere Wohn- & Arbeitsqualität: Begrünung verbessert das Stadtklima und macht Quartiere lebenswerter.
✅ Kühlung & Klimaregulierung: Begrünte Fassaden senken die Umgebungstemperatur und reduzieren den „Hitzeinsel-Effekt“ in Städten.
Hat eine Begrünung auch Nachteile?
Obwohl die Fassadenbegrünung viele Vorteile bietet, gibt es auch einige potenzielle Nachteile, die beachtet werden sollten:
Installations- und Wartungskosten
Die Einrichtung einer Fassadenbegrünung kann teuer sein, vor allem bei komplexen Systemen wie vertikalen Gärten oder hydroponischen Anlagen. Außerdem können Wartungs- und Pflegekosten über die Jahre ebenfalls ins Gewicht fallen, vor allem bei komplexeren Systemen. Informieren Sie sich daher im Voraus, welche Kosten zu erwarten sind.
🚫 Hohe Kosten: Installation und Wartung der Fassadenbegrünung sind teuer.
Pflege der Begrünung
Um ein Überwuchern von Fenstern, Türen oder Regenrinnen zu verhindern, sind regelmäßige Schnitte und Pflege der Pflanzen erforderlich. Besonders bei vertikalen Gärten oder Modulsystemen muss für eine ausreichende Bewässerung gesorgt werden, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.
Außerdem: Wie bei jeder Pflanze können auch an begrünten Fassaden Schädlinge auftreten, die möglicherweise die Pflanzen oder die Bausubstanz beeinträchtigen. Bei Befall sollte aktiv gegen die Schädlingen vorgegangen werden.
🚫 Pflegeaufwand: Fassadenbegrünung muss fortgehend geschnitten und gepflegt werden.
🚫 Mögliche Schädlingen: Wie bei allen Pflanzen können an der Begrünung Schädlinge auftreten.
Gefährdung der Bausubstanz
Bei unsachgemäßer Installation oder Wahl der Pflanzen können Feuchtigkeit und Wurzeln Schäden an der Fassade oder dem Putz verursachen. Achtung bei Selbstklimmern: Efeu & Co. können durch ihre Haftwurzeln bei falscher Pflege die Oberfläche beschädigen oder den Putz lösen.
🚫 Schäden am Mauerwerk: Feuchtigkeit und Wurzeln können die Fassaden und den Putz beeinträchtigen.
🚫 Ungeeignete Pflanzenwahl: Selbstklimmer beschädigen bei falscher Pflege die Oberflächen.
Wie sehen die ersten Schritte aus?
Holen Sie sich Fachwissen ein
Eine Fassadenbegrünung – egal, für welche Variante Sie sich entscheiden – will gut geplant sein und erfordert Fachwissen und Erfahrung. Sprechen Sie daher am besten vorher mit einer Landschaftsgärtnerin oder einem Landschaftsgärtner, die oder der Sie bei der Auswahl der Pflanzen, der Installation des Begrünungssystems und der Pflege unterstützt.
Lassen Sie auch eine Standortanalyse und eine Eignungsprüfung der gewünschten Fassaden durchführen. Die Ausrichtung der Fassade, Wind- und Wettergegebenheiten und Sonneneinstrahlung sind wichtige Aspekte.
Prüfen Sie unbedingt, ob Sie mögliche bauliche Änderungen genehmigen lassen müssen und ob es dafür eine Planung durch eine Architektin oder einen Architekten braucht.
Machen Sie eine Kostenaufstellung
Idealerweise erstellen Sie im Vorfeld eine Kostenaufstellung. Diese sollte die Installationskosten sowie laufende Kosten zur Pflege der Begrünung beinhalten. Denken Sie dabei auch an den Nutzen und die vielen Vorteile, die die Fassadenbegrünung mit sich bringt, auch wenn diese vielleicht nicht direkt monetär nachzuweisen sind.
Für Maßnahmen zum Klimaschutz stellen Bund und Länder derzeit eine Vielzahl an Fördermitteln bereit.